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Mein MINI Electric Fahrbericht.

Renato MitraRenato Mitra

Für einige Wochen durfte ich den vollelektrischen MINI Cooper SE 3 door fahren und testen. Hier sind meine Erfahrungen bezüglich Reichweite, Rekuperation und One-Pedal-Driving.

Der MINI Cooper SE 3 door ist ein echter MINI.

Äusserlich ist der elektrische MINI ein vollwertiger MINI. Das der MINI ein paar Zentimeter höher ist, wegen der Batterie im Unterboden, das fällt auch beim direkten Vergleich nicht auf. Die geschlossene Front, das E-Logo wie auch die Vier-Speichen-Felgen sind die auffälligsten Merkmale von der elektrischen MINI Version. Was natürlich fehlt ist ein Auspuff. Aber das wars dann auch schon mit den Unterschieden.

Im Innern gibt es ebenso nur wenige Hinweise auf den elektrischen Antrieb. Das digitale Display hinter dem Lenkrad gehört mittlerweile bei allen neuen MINI zur Standardausrüstung. Ein Kippschalter an der Mittelkonsole ist für die zwei Modi für das regenerative Bremsen belegt und der Start-Stop-Schalter ist nicht rot, sondern leuchtend Gelb. Ansonsten kommt der elektrische MINI in der gleichen hochwertigen Ausstattung daher wie seine Verbrenner-Kollegen. Die Unterschiede muss man also regelrecht suchen. Damit ist der elektrische MINI von mir aus gesehen ein vollwertiger MINI.

In der Fahrt gibt es dann aber doch ein paar entscheidende Unterschiede.  

Pessimistische Vorhersage der Reichweite für mehr Sicherheit.

Wenn man den MINI Electric startet, ist die Voraussichtliche Reichweite meist bei rund 180 bis knapp 200 Kilometer. Das ist zwar deutlich unter der WLTP Reichweite von 234 Kilometer, aber das hat noch nichts zu bedeuten. In den ersten zwölf bis 14 Kilometer hat sich bei mir jeweils die Reichweite nicht verändert, erst danach reduzierten sich die Kilometer. Jedoch sehr gemächlich im Vergleich zur zurückgelegten Strecke…

Der elektrische MINI ist darum so pessimistisch, weil die Rekuperation (regeneratives Bremsen) nicht zuverlässig vorausberechnet werden kann. Das führt dazu, dass man überraschend wenig von der vorhergesagten Reichweite verbraucht, bzw. man weniger braucht als man tatsächlich gefahren ist. Mit einer vollen Batterie fährt man also locker mehr als 200 Kilometer.

Fahren mit nur einem Pedal.

Sehr angenehm fand ich das Fahren mit nur einem Pedal. Dank dem starken, aber effizienten regenerativen Bremsen, braucht man das Bremspedal nur noch sehr selten. Wenn man den Fuss vom Beschleunigungspedal nimmt, wirkt das regenerative Bremsen so stark, dass der MINI nach einigen Meter stehen bleibt. Daran muss man sich die ersten paar Kilometer gewöhnen. Instinktiv lässt man nämlich das Beschleunigungs PedalBeschleunigungspedal los um zu segeln. Dank der sofortigen und starken Rekuperation fällt man schon fast in die Sicherheitsgurte. Wenn man sich also einer Ampel nähert, reicht es einfach etwas weniger zu beschleunigen und schon erhält man die gewünschte Bremswirkung. Und auch dann wird bereits wieder Energie in die Batterie eingespiesen. 

Sehr effiziente Rekuperation.

Wie schon erwähnt, kann die ersten Meter die starke Rekuperation überraschen. Dafür ist diese so effizient, dass man dadurch viele Kilometer an Reichweite gewinnt. Nicht selten werden rund 7 bis 8 kWh pro 100 Kilometer Energie in die Batterien geladen. Das reicht für weitere 50 Kilometer Reichweite und mehr. Wem die Rekuperation zu stark ist, der kann über den Kippschlater ein gemächliches regeneratives Bremsen wählen. Das ist dann nicht mehr so effizient, dafür hat man eher wieder das bekannte Segeln ohne Antrieb.

180 Kilometer auf der Autobahn mit Klimaanlage.

Man hört ja immer wieder, dass die vorhergesagte Reichweite schnell schrumpft, besonders im Winter oder wenn man viel Energie benötigt, wie beispielsweise auf der Autobahn oder mit der Klimaanlage. Das ist beim MINI etwas anders. Wie schon erwähnt ist er zu beginn eher pessimistisch mit der Reichweite, dafür kann diese unter (fast) allen Umständen eingehalten werden. Meist wird man positiv überrascht, wie weit man tatsächlich kommt… Aber meine Fahrten, mehrheitlich Autobahn bei 122 km/h und eingeschalteter Klimaanlage, hatten keinen negativen Einfluss auf die Reichweite. Leider konnte ich keine Fahrten bei winterlichen Verhältnissen machen, dank der Wärmepumpe im MINI Cooper SE wird die Wärme aber sehr energieeffizient erzeugt und daher gehe ich von keiner zu starken Minimierung der Reichweite aus. Leider haben noch viel zu wenige Elektroautos Wärmepumpen verbaut. Selbst Tesla wird erst im kommenden Model Y erstmals eine Wärmepumpe verbauen.

Energie laden, günstig und umweltfreundlich.

Nicht immer muss man die Hin- und Rückreise zur gesamten Reichweite dazuzählen. Je nach Reiseziel kann man vor Ort wieder Energie nachladen, denn in der Schweiz gibt es bereits heute über 4´000 öffentliche Ladestationen. Nicht mitgezählt sind tausende von privaten Lademöglichkeiten, welche man unter Umständen ebenfalls nutzen kann. 

MINI Electric im Sonnenaufgang

Ich selber habe zuhause eine Photovoltaikanlage mit Ladestation. Über eine intelligenten Steuerung kann ich den überschüssigen Solarstrom in den MINI Electric oder MINI Plug-In Hybrid laden. Damit habe ich quasi meine eigene, kostenlose Strom-Tankstelle. Wer die Möglichkeit nicht hat, der kann über den MINI das Laden so einstellen, dass beispielsweise nur zum Niedertarif Strom bezogen wird. Damit bleiben die Energiekosten noch tiefer als sie im Vergleich zu Benzin und Diesel eh schon sind.

Leise, kraftvoll und viel Fahrspass.

Normalerweise fahre ich ca. 100 Kilometer am Tag und damit gehöre ich zu den wenigen Schweizer, welche über das doppelte von der täglichen Pendelstrecke fahren. Seit die Arbeit aber vermehrt aus dem Homeoffice erledigt wird, steht der MINI auch mal tagsüber an der Ladestation mit Solaranlage. Günstiger als kostenlosen Solarstrom kann man nicht tanken/laden. Die Reichweite war für mich während der ganzen Zeit kein Hindernis. Selbst eine Fahrt in den Europapark wäre möglich gewesen, denn vor Ort hätte ich die Energie für die Rückreise wieder laden können.

MINI Electric - Renato Mitra von MINIBlog.ch

Der Fahrspass hat mich aber vollends überzeugt. Wie schon einmal erwähnt, für mich zählt nicht die Höchstgeschwindigkeit, sondern die rasche Beschleunigung von null auf 50 oder 60 km/h. Die Wendigkeit und das Verhalten in den Kurven muss man bei der kurzen Bauart und dem tiefen Schwerpunkt vom MINI Cooper SE 3 door wohl kaum erwähnen. 

Für mich persönlich ist der MINI Electric das perfekte Alltagsauto, auch ausserhalb der Stadt. Bezüglich Fahrspass und hochwertiger Ausstattung gibt es keine Kompromisse, im Gegenteil. Eine Lademöglichkeit am Wohnort hilft die nicht so übermässige Reichweite zu relativieren. Wer also ein energieeffizientes Elektroauto für den Alltag sucht, sollte sich mal mit dem MINI Cooper SE auseinandersetzen und eine Probefahrt buchen.

Vollblut-Blogger. MINI Fan. Apple Experte. Kommuniziert leidenschaftlich gerne über digitale Kanäle. Ansonsten: Try, fail, think, learn, repeat.